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Das Wiesenthaler K3 - Museum, Gästeinformation und Bibliothek

Öffnungszeiten

 

Wintersaison

1. Advent - 31. März 

täglich 9:30 - 17:00 Uhr

 

Sommersaison

01. April - 1. Advent

Mo. - Fr. 9:30 - 17:00 Uhr

Sa., So. und Feiertage

10:00 - 13:00 Uhr

Die Dauerausstellung „Gipfelstürmer – Ein Thal erobert  die Welt“ widmet sich besonders der Stadtgeschichte und dem Wintersport. 
Sie werden in den Bann des „Weißen Thales“ gezogen und erleben die Entwicklung der Bergstadt zum bekanntesten Wintersportort in Sachsen.  Erfahren Sie, wie sich der „Fluch Schnee“ zum „Weißen Gold“ entwickelte. 
Sie begegnen den Größen des Sports, deren Ski, Pokale und Medaillen zu bewundern sind. Darunter befinden sich der Sprunganzug von Jens Weißflog, in dem er 1994 zum Doppelolympiasieger im Skispringen wurde,  genauso wie die Sprungski des dreifachen Olympiasiegers Ulrich Wehling (Nordische Kombination, 1972/1976/1980) und die Langlaufski des Gesamtweltcupsiegers im Skilanglauf René Sommerfeldt (2003/04) sowie der Olympiasiegerin im Skilanglauf Barbara Petzold/Beyer (1980).
Aktuelle Sportler wie der Olympiasieger Eric Frenzel (2014) oder der Skispringer Richard Freitag stellten Ski und Schuhe zur Verfügung. Herausragende Arbeiten der Volkskunst stehen neben den Werken des in Oberwiesenthal geborenen Künstlers William Wauer. Dem Erzgebirgssänger Anton Günther können Sie an einer Liedinsel lauschen. Wir heißen Sie herzlich Willkommen!

Die Ortsgeschichte

Um 1525 entdeckte vermutlich der Bergmann Valentin Thanhorn Silber im Zechengrund. Bereits zwei Jahre später gründeten die Herren von Schönburg den Ort „Neustadt im Wiesenthal“. Nur drei Jahre später erhielt der Flecken das Stadtrecht. Abseits der Silberfundstätten wurde die Wohnanlage planmäßig erbaut, ebenso der annähernd quadratische Marktplatz. Gast- und Wirtshäuser gab es bereits mit der Entstehung der Ortschaften. Fuhrleute kehrten hier genauso ein wie die Bevölkerung. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich zunehmend der Fremdenverkehr in Europa. Wanderer, um 1900 auch Skifahrer, entdeckten das Erzgebirge und somit auch Oberwiesenthal mit dem Fichtelberg für ihre Ausflüge. Der talwärts gelegene Ort Unterwiesenthal empfing bereits 1510 das Stadtrecht. Diese beiden Kleinstädte vereinigten sich 1921; 1997 kam Hammerunterwiesenthal, im 17. Jahrhundert von Exulanten gegründet, hinzu. Kurort Oberwiesenthal ist die höchst gelegene Stadt Deutschlands (914m ü. NN). Seit 2012 ist sie Staatlich anerkannter Luftkurort. 

Der Ausstellungsbereich beginnt im „Weißen Tal“ mit einer Tonsequenz. Der Gast wird von Schneegestöber und einem Zitat von 1699 über das „Obere Erzgebirge“ empfangen: „Was soll ich sagen von den weit- und breit ungeheuren / hohen und an einander hangenden rauhen und unsichern Wäldern / tieffenThälen / furchtsamen Gründen … und grausenden unheimlichen Strecken … Da hörte man nichts als der Raben Rappen / der Bären Brummen / der Wölffe Heulen…“ (Zitiert aus Lehmann, Christian: Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Erzgebirge / …, Leipzig: Friedrich Lanckischens sel. Erben 1699.)

Der Besucher erfährt in den folgenden Räumen vom Leben in dieser scheinbar unwirtlichen Gegend. Er lernt Orte kennen, die, mit herausragenden Objekten und Reproduktionen kombiniert, das Leben im Wiesenthal zeichneten. Im „Bürgerraum“ treffen Menschen aus dem Wiesenthal aufeinander, die von unterschiedlicher Herkunft aus verschiedenen Jahrhunderten berichten. Jeder Bürger ist mit einem herausragenden Originalobjekt gekennzeichnet. So zeigen wir eine originale Prunkwaffe aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts genauso wie die Arbeiten des bekannten Malers und Schnitzers Karl Hertelt.

Zwei Bürger begrüßen den Besucher im nächsten Raum und erläutern das „Ankommen“ der Ski im hiesigen Gebiet. Auch hier ergänzen Originalobjekte die Anschaulichkeit. Eine Vielzahl von Ski Oberwiesenthaler Hersteller kennzeichnet den Beginn der rasanten Entwicklung des Ortes mit dem Winter-Massentourismus. Dazu wurden Hotels gebaut oder erweitert, Straßen asphaltiert, der Skiclub gegründet und die ersten Wettkämpfe durchgeführt. Dazu zeigen wir eine originale Beitrittserklärung von 1931 sowie die originale Urkunde, die Alfred Lohse 1928 in St. Moritz bei der Teilnahme an den Zweiten Olympischen Winterspielen erhielt. Er und Albrecht Böttcher nahmen als erste Oberwiesenthaler Sportler überhaupt an den Olympischen Winterspielen teil.

Der Wintersport

Während des Zweiten Weltkrieges und in den schweren Nachkriegsjahren stagnierte das sportliche Leben und Sportstätten verfielen. Enthusiasten der ersten Stunde halfen der Wirtschaft und dem Sport wieder auf die Beine. Mit der staatlichen Förderung der DDR und dem Fleiß der Trainer und Sportler erzielte das Oberwiesenthaler Leistungszentrum in den alpinen und nordischen Skidisziplinen sowie im Rennrodelsport höchste internationale Erfolge. Die Verantwortung dafür trägt heute der Olympiastützpunkt Chemnitz-Dresden mit der Außenstelle Oberwiesenthal.

Viele Sportler erzielten große Erfolge für sich, aber auch für ihre Stadt Kurort Oberwiesenthal bzw. ihren Sportclub: Ulrich Wehling, Jens Weißflog, Steffi Martin/Walther, Dr. Thomas Köhler, Barbara Petzold/Beyer, Gabriele Kohlisch, Sylke Otto, Claudia Künzel/Nystad, René Sommerfeldt und aktuell Richard Freitag und Eric Frenzel, um nur Einige zu nennen. Viele dieser Sportler stellten Originale zur Verfügung – so kann der Besucher den originalen Sprunganzug von Jens Weißflog bestaunen, mit dem er 1994 zum zweifachen Olympiagold flog. Ulrich Wehlings letzte Sprungski sowie seine Lauf- und Sprunganzüge stehen neben den Ski und Schuhen des aktuellen Olympiasiegers der Nordischen Kombination Eric Frenzel. Der alpine Skisportler Eberhard Riedel stellte seine Olympiaausrüstung von 1968 genauso zur Verfügung wie der Langläufer René Sommerfeldt das Gelbe Leibchen, was den Gesamtführenden des Weltcups auszeichnet. Die Einzigartigkeit und die Besonderheit des Olympiastützpunktes werden mit diesen Objekten unterstrichen und gewürdigt.

Anton Günther

Als Sohn eines Bergmannes wurde Anton Günther am 5. Juni 1876 in Gottesgab (heute Boží Dar) geboren. Ursprünglich wollte er Forstmann werden, entschied sich aber für eine Lehre als Lithograph in Buchholz, die er frühzeitig beenden konnte. Er fand Arbeit in Prag und lebte dort sechs Jahre bis sein Vater verstarb. Anton Günther sah sich als Ernährer der Familie und kehrte nach Gottesgab zurück, wo er 1937 den Freitod wählte.

Bereits im Kindesalter erlernte Anton Günther das Geigespielen. Autodidaktisch eignete er sich Gitarre und Zither an. In seiner Prager Zeit entstand eines seiner bekanntesten Lieder: „Drham is drham“ (1895). Es folgten weitere wie „Mei Vaterhaus“ (1901) oder „De Ufenbank“ (1899). Anton Günther ließ die Liedtexte mit Noten und einer eigens angefertigten Zeichnung auf Postkarten drucken. Dadurch verbreiteten sich seine Lieder nicht nur im Erzgebirge. Bis heute sind viele seiner Lieder Repertoire auch jüngerer Kapellen. Er bleibt einer der bedeutendsten Liedermacher des erzgebirgischen Mundartliedes.

Die in Kurort Oberwiesenthal lebende Enkelin Anton Günthers – Christine Pollmer – übergab sehr viele einzigartige Objekte ihres Großvaters an das Museum. Der Besucher wird bereits Bekanntes sehen aber auch Neues, bisher noch nie Gezeigtes entdecken können. So werden neben originalen Liedpostkarten auch private Fundstücke wie Anton Günthers Hut oder seine Zither zu sehen sein. Die handschriftliche Aufzeichnung seines ersten Liedes „Drham is drham“ wie auch das Gemälde, Anton Günther in Uniform zeigend, sind ebenfalls unvergleichliche Unikate.

William Wauer

William Wauer wurde am 26. Oktober 1866 als Sohn eines Diakons in Oberwiesenthal geboren. Er studierte an den Kunstakademien in Dresden, Berlin und München. Nach Auslandsaufenthalten kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete illustrativ. Diese Tätigkeit führte ihn in die Reklamewirtschaft, wo er u. a. für die Lingner-Werke arbeitete.

Nach 1905 wurde er Theaterregisseur in Berlin und von da aus führte ihn sein Weg in die neue Filmindustrie: er wurde Drehbuchautor und Regisseur. Sein erstes Werk war eine Sensation der Lichteffekte: „Richard Wagner“ (1913).

Durch die Futuristen-Ausstellung von Herwarth Walden 1912 in Berlin fand William Wauer zur bildenden Kunst zurück. Er wurde einer der Hauptvertreter des „Berliner Kubismus“. Mit seinen Plastiken ging er neue Wege. Die damals entstandenen kubistischen Kleinplastiken und Monumentalbüsten, deren bekannteste seinen Freund Herwarth Walden darstellt, sichern Wauer einen bedeutenden Platz in der Kunstgeschichte.

Auch seine Gemälde sind hervorragende Beispiele des Expressionismus. 1918 wurden in einer Ausstellung mit Marc Chagall und Wassily Kandinsky seine Werke in der „Sturm“-Galerie gezeigt.

Als William Wauer sich dem Rundfunk zuwandte, entwarf er zahllose Bastelvorlagen für Kinder, die in einer Sendung übermittelt wurden. Er erkannte die künstlerische Betätigung als Therapie für kranke Kinder.

Die Nationalsozialisten stuften sein Gesamtwerk als „Entartete Kunst“ ein. Erst nach dem Krieg konnte er wieder freischaffend wirken und mit etlichen Ausstellungen glänzen. Er starb 1962 in Berlin.

Gisela Wauer, Schwiegertochter William Wauers,  überließ der Stadt Kurort Oberwiesenthal den in ihrem Besitz befindlichen künstlerischen Nachlass des Schwiegervaters. Diese großzügige Schenkung ermöglicht es, dass Wauers Kunst nun auch in seiner Geburtsstadt gezeigt werden kann. Damit fügt sich unsere Sammlung in eine lange Reihe bedeutender Museen in aller Welt ein, die das Werk William Wauers bewahren.

 

 


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